Vom Üben und Spielen

Seitdem ich Schüler unterrichte, quäle ich sie mit Übeplänen. Akkribisch aufgeschrieben, mit Lernmaterial wie Noten, Übungsstücken, Tonleiterübungen versehen und dann per Email an den bedürftigen Adepten verschickt. Haha, lache ich mir dann jedesmal ins Fäustchen, weil ich weiß (auch aus eigener Erfahrung), dass man bis zum nächsten Unterrichtstermin diesen Plan sowieso nicht mehr anschaut. Ja, ja, schon klar, schaue ich mir gleich morgen an und mache all die Übungen auf alle Fälle jetzt wie besprochen jeden Tag…

Das das nicht passieren wird, ist klar. Die schönste Sache der Welt (Gitarre spielen) wird zu einer unangenehmen Verpflichtung, wenn man mitbekommt, dass die großen Vorbilder alle nur so gut sind, weil sie tatsächlich jeden Tag geübt haben und das immer noch tun. Eigentlich auch logisch und nicht weiter erwähnenswert, aber naja…

Dabei ist der Zugewinn enorm, wenn man nur jeden Tag, regelmäßig, eine relativ überschaubare Zeit mit seinem Instrument verbringt. Und zwar nicht nur im selben Zimmer… 😉

Ich habe festgestellt, dass es sinnvoll ist, sein Übepensum in verschiedene Bereiche zu unterteilen.

Aufwärmung

Es gibt Unmengen von sehr guten Aufwärmübungen. Alle basieren auf mehr oder weniger chromatischen Pickingübungen entlang des Griffbrettes, horizontal wie vertikal. Alle großen, technisch versierten Gitarristen haben da so ihre eigenen Übungen konzipiert.

Blattspiel

Ein leidliches Thema. Ich will doch nur rocken! Für den Blues brauche ich doch kein Notenspiel. Ich will doch keine Klassik spielen. Ja…, letzte Woche… naja, die Zeit… ich habe aber so meine Sachen gespielt… Die Ausreden sind zahlreich, ich kenne sie alle, habe ich sie doch auch immer wieder gebraucht. Ein guter Weg für mich, um aus dieser Misere rauszukommen, war, das Blattspiel in die Aufwärmübung zu integrieren. Da hatte ich dann schon zwei „blöde“ Übungen abgearbeitet. Zwei auf einen Streich sozusagen.

Der Witz ist, je länger man das Blattspiel übt, umso einfacher fällt es einem. Und auf einmal macht es sogar Spaß.

Technik

Noch so ein Ding. Tonleitern hoch und runter spielen. Boah, ist das langweilig. Aber die Musik besteht ja nun mal aus Noten. Und wenn man die flüssig zu spielen weiß, ist man der Lieblingsmusik schon ein großes Stück näher. Man muss nicht gleich die Übungen eines Troy Stetina o.ä. abfeiern, aber die Pentatonik in allen Lagen spielen zu können, ist kein unerreichbares Ziel.

Repertoire

Was willst Du eigentlich spielen? Welche Songs? Vorbilder? Was als lächerlich einfache Frage anfängt, entpuppt sich bei genauerer Nachfrage oftmals als mittelschweres Problem. Eben war alles klar und nun ist da nur noch ein großes Fragezeichen. Das schöne ist, wenn man diese Frage für sich beantworten kann, beantworten sich auch viele Fragen zum Thema Aufwärmung, Blattspiel und Technik. Ja, ja, wenn man den Weg kennt…

Improvisation

Die Königsdisziplin!? Auf alle Fälle denke ich, ist es sehr erstrebenswert, in seiner bevorzugten Stilistik auf möglichst viele Bausteine zugreifen zu können. Improvisation muss ja nicht unbedingt in den Gitarrenkunststücken eines Bireli Lagrene gipfeln. Aber wenn man sich immer wieder mal ein klein wenig traut, geschehen manchmal ganz wundersame Sachen…

Soviel von mir heute. Wie plant Ihr Euren musikalischen Alltag? Was für Tricks habt Ihr, um den inneren Schweinehund zu überlisten? Es würde mich freuen, von Euch zu hören. Bis dahin…

Rock your life. Riff your day!

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